Worum es geht
Was hält zwei Menschen zusammen, wenn sie sich jederzeit trennen könnten? Svenja Flaßpöhler geht dieser Frage ausgehend von ihrer eigenen Ehe nach und sucht dabei das Gespräch mit dem Philosophen Søren Kierkegaard. Ihr Gedanke: Gerade weil Trennung möglich ist, kann Bleiben eine freie Entscheidung sein.
Gut zu wissen
Der vollständige Titel lautet „Zusammenbleiben. Von der Freiheit fester Bindungen“.
Erster Eindruck aus der Leseprobe
Beruht nur auf der Leseprobe (Inhaltsverzeichnis und Einleitung, S. 13–28), nicht auf dem ganzen Buch. Selbst reinlesen
Das Buch beginnt mit zwei Szenen, zwischen denen fast ein Vierteljahrhundert liegt: Mitte zwanzig zieht die Autorin allein durch die Berliner Clubs, Ende vierzig deckt sie im Prenzlauer Berg um sechs Uhr früh den Frühstückstisch für Mann und Kinder. Aus diesem Kontrast entwickelt Svenja Flaßpöhler ihre Leitfrage: Ist das Bleiben in einer langen Beziehung eine freie Wahl – oder Gewohnheit, Konvention, vielleicht sogar Angst?
Erzählt wird in der Ich-Form und erstaunlich offen. Flaßpöhler spricht über Treue, über ihre Zweifel und über die eigene Mutter, die in den 1980er-Jahren ihre Familie verließ. Dazwischen stellt sie die Gegenpositionen ausführlich vor, etwa Bücher, die für offene Beziehungen werben oder das Ende der Ehe fordern, und Eva Illouz' Analyse von Romantik und Konsum. Sie nimmt diese Positionen ernst, bevor sie widerspricht, und blickt dabei auch selbstironisch auf ihr eigenes Leben in der akademischen Großstadt-Mittelschicht.
Die Sprache ist klar und gut lesbar, ohne philosophisches Vorwissen vorauszusetzen. Die Kernthese steht schon am Ende der Einleitung: Gerade weil man gehen kann, kann man frei bleiben. Als Gesprächspartner für das weitere Buch kündigt sie den Philosophen Søren Kierkegaard an. Das Inhaltsverzeichnis zeigt, wie breit es danach wird – von Streit, Eifersucht und Monogamie bis zu Mutterschaft und Rollentausch.
Für alle, die in einer langen Beziehung leben oder über eine nachdenken und Lust auf persönlich gefärbte Philosophie haben. Wer eine neutrale Abhandlung erwartet, sollte wissen: Das Buch bezieht deutlich Position.
Was die Kritik sagt
- Die Zeit positiv
Der Psychoanalytiker lobt das Buch als klar und verständlich geschrieben. Die Kritik an einem fatalistischen Blick auf Beziehungen zwischen Mann und Frau hält er für berechtigt, die Überlegungen zu Eifersucht, Streit und einer Anziehung, die mit der Zeit wachsen kann, überzeugen ihn. Sein Fazit: ein gelungener Schritt weg von der Ideologie hin zur Philosophie.
- Süddeutsche Zeitung gemischt
Interessiert, aber nicht ganz überzeugt: Die Passagen zu Kierkegaard und zur Eifersucht gefallen ihm. Er wendet aber ein, dass die Monogamie gesellschaftlich ohnehin noch das Ideal sei, und vermisst die Frage, warum Beziehungen im echten Leben so oft scheitern. Das Buch schwanke zwischen nüchterner Analyse und Liebeserklärung.
Zusammengefasst in eigenen Worten. Die Urteile stammen von den genannten Kritikerinnen und Kritikern, nicht von uns.
Mehr zum Buch
- Leseprobe beim Verlag
- Das Buch bei Klett-Cotta
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